Der groesste Boersengang der Geschichte steht unmittelbar bevor. Was steckt hinter der Billionen-Dollar-Bewertung, und welche Risiken gehen Investoren ein? 26. Mai 2026
Es ist ein Datum, das in den Kalender eines jeden Kapitalmarktinteressierten eingetragen sein duerfte: der 12. Juni 2026. An diesem Tag soll die SpaceX-Aktie unter dem Ticker SPCX erstmals an der Nasdaq gehandelt werden. Elon Musks Raumfahrtkonzern strebt dabei eine Bewertung an, die den bisherigen Rekordhalter Saudi Aramco in den Schatten stellen wuerde. Wer in diesen Boersengang investieren moechte, sollte die Fakten, die Chancen und die erheblichen Risiken kennen.
Disclaimer: Bei diesem Beitrag handelt es sich nicht um eine Anlageberatung. Berücksichtigen Sie, dass die Investition in Finanzmärkte und Kryptowährungen auch mit Risiken verbunden ist! Alle Angaben im Artikel sind ohne Gewähr und können sich jederzeit ändern.
Von der Raketengarage zum Technologiekonzern
SpaceX ist laengst nicht mehr nur das Unternehmen, das Raketen wiederverwendbar in den Weltraum bringt. Nach der vollstaendigen Integration von Elon Musks KI-Unternehmen xAI in die neu geschaffene Division SpaceXAI prasentiert sich der Konzern als vertikal integrierter Technologieriese, der Raumfahrt, Satellitenkommunikation und kuenstliche Intelligenz unter einem Dach vereint. Der am 20. Mai 2026 veroeffentlichte S-1-Prospekt ist das erste ausfuehrliche Finanzdokument, das dieses neue Gebilde der Oeffentlichkeit praesentiert.
Laut diesem Prospekt erzielte SpaceX fuer das Gesamtjahr 2025 einen Umsatz von rund 18,7 Milliarden US-Dollar, was einem Wachstum von gut einem Drittel gegenueber dem Vorjahr entspricht. Analysten prognostizieren fuer 2026 Erloese zwischen 22 und 24 Milliarden Dollar. Das tragende Element dahinter ist Starlink, der satellitengestuetzte Internetzugang, der inzwischen mehr als elf Millionen Kunden weltweit zaehlt und das Unternehmen von einem reinen Raketenbauer zu einem globalen Telekommunikationsanbieter verwandelt hat.
Die Bewertung und was sie rechtfertigt
Mit einer angestrebten Marktkapitalisierung von 1,75 bis 2,0 Billionen US-Dollar wuerde der SpaceX-Boersengang alle bisherigen Rekorde brechen. Der bisherige Groesste, der Boersengang von Saudi Aramco im Jahr 2019 mit rund 1,7 Billionen Dollar Bewertung, waere damit uebertroffen. Bei rund 3,3 Milliarden ausgegebenen Aktien ergibt sich daraus eine implizite Preisspanne von etwa 525 bis 530 US-Dollar je Aktie.
Auf privaten Handelsplattformen werden SpaceX-Anteile bereits gehandelt. Auf der Plattform Forge lag der Preis zuletzt bei rund 650 US-Dollar, was einer privaten Bewertung von etwa 1,5 Billionen Dollar entspricht. Praediktionsmaerkte wiederum zeigen, dass Haendler die Wahrscheinlichkeit einer Marktkapitalisierung ueber zwei Billionen Dollar auf rund 72 Prozent schaetzen.
Der groesste Teil dieser Fantasie haengt an Starlink. Morgan Stanley prognostiziert fuer das Starlink-Segment bis 2030 einen Umsatz von rund 50 Milliarden US-Dollar bei einer EBITDA-Marge von etwa 50 Prozent. Das waere ein profitables, skalierbares Infrastrukturgeschaft von globaler Reichweite.
Hinzu kommt eine Besonderheit aus dem S-1-Prospekt, die viele ueberrascht hat: SpaceX haelt laut den Unterlagen rund 18.712 Bitcoin in seiner Bilanz, mehr als doppelt so viel wie bisher von Analysten geschaetzt und mehr als Tesla. Bei einem durchschnittlichen Einstandskurs von rund 35.320 US-Dollar entspricht der aktuelle Marktwert rund 1,45 Milliarden Dollar. Wer SPCX kauft, investiert damit indirekt auch in den Bitcoin-Kurs.
Das Underwriting-Syndikat und der Zeitplan
Die institutionelle Roadshow startete am 4. Juni 2026. Das Preisfestsetzungsdatum ist fuer den 11. Juni angesetzt, der erste Handelstag an der Nasdaq fuer den 12. Juni. Federfuehrender Underwriter ist Goldman Sachs, unterstuetzt von Morgan Stanley, Bank of America, Citigroup und JPMorgan Chase. Dieses Lineup spiegelt die Struktur grosser US-Technologie-Listings wider und signalisiert starke institutionelle Unterstuetzung.
Fuer Privatanleger ist bemerkenswert, dass SpaceX bis zu 30 Prozent der Aktien fuer den Retail-Bereich reservieren will, was rund 22,5 Milliarden US-Dollar entspraeche und die groesste Privatanleger-Tranche in der IPO-Geschichte waere. Ob Anleger in Deutschland direkt am IPO-Tag partizipieren koennen, haengt stark vom jeweiligen Broker ab.
Die Risiken, die man kennen muss
So verlockend die Wachstumsgeschichte klingt, der S-1-Prospekt ist ehrlich genuber den Risiken. Anleger sollten diese nicht unterschaetzen.
Wesentliche Risikofaktoren
- Hohe Verluste: Fuer das erste Quartal 2026 weist SpaceX einen GAAP-Nettoverlust von 4,28 Milliarden US-Dollar aus. Treiber sind extreme Hardwarekosten fuer den Aufbau der xAI-Infrastruktur.
- Dual-Class-Aktienstruktur: Elon Musk haelt ueber Class-B-Aktien (10 Stimmen je Anteil) rund 85,1 Prozent aller Stimmrechte, obwohl er nur etwa 42,5 Prozent des Eigenkapitals haelt. Oeffentliche Anleger erhalten Class-A-Aktien mit je einer Stimme und haben damit faktisch keinen Einfluss auf strategische Entscheidungen.
- Musk-Abhaengigkeit: Der S-1-Prospekt benennt Interessenkonflikte, Zeitmanagement-Fragen und Reputationsrisiken rund um Elon Musk ausdruecklich als Risikofaktoren. Seine politischen Aktivitaeten und die Fuehrungsrolle in mehreren weiteren Unternehmen sind im Dokument explizit erwaehnt.
- xAI-Rechtsrisiken: Aus der Integration von xAI resultieren laufende Rechtsstreitigkeiten mit geschaetzten Kosten von rund 530 Millionen US-Dollar.
- Lock-up-Risiko: Nach 90 bis 180 Tagen koennen Insider ihre Aktien veraeussern, was bei grossen Boersengaengen historisch oft zu Kursdruck gefuehrt hat.
- Extreme Bewertungsmultiples: Das Umsatz-Multiple liegt weit ueber dem Durchschnitt klassischer Industrieunternehmen. Jeder operative Fehler kann bei solchen Bewertungen ueberproportional auf den Kurs wirken.
- Starship noch nicht kommerziell bewiesen: Wesentliche Teile der langfristigen Bewertung stuetzen sich auf Technologie, die kommerziell noch nicht erprobt ist.
Prognose: Was koennte die Aktie nach dem IPO tun?
Prognosen fuer frisch emittierte Aktien sind grundsaetzlich mit grosser Vorsicht zu geniessen. Das gilt fuer SpaceX in besonderem Mass, weil die Bewertung auf Annahmen ueber mehrere Jahre zukuenftige Wachstumsraten beruht. Dennoch laesst sich ein Orientierungsrahmen skizzieren.
Bullisches Szenario: Starlink setzt sein Abonnentenwachstum unvermindert fort und erreicht die von Morgan Stanley prognostizierte 50-Milliarden-Dollar-Umsatzmarke bis 2030. Starship wird fuer kommerzielle Paylads zugelassen. Die xAI-Sparte findet mit orbitalen Rechenzentren und Grok-Enterprise-Kunden ein tragfaehiges Geschaeftsmodell. In diesem Szenario koennte die Aktie ihre Erstnotiz langfristig deutlich uebertreffen.
Baerishces Szenario: Das Bewertungsniveau laesst keinen Spielraum fuer Enttauschungen. Ein schwacher Starlink-Quartalsbericht, ein Starship-Rueckschlag oder eine negative Schlagzeile rund um Elon Musk koennte die Aktie schnell und tief korrigieren. Historisch zeigt sich, dass viele ambitioniert bewertete Technologieboersengaenge im ersten Jahr nach dem IPO unter ihren Ausgabepreis fallen, bevor sie sich langfristig erholen oder nicht.
Die kurze Antwort auf die Frage, ob die SpaceX-Aktie nach dem IPO „explodiert“: Moeglich, aber keineswegs garantiert. Was sicher ist: Volatilitaet wird ein staendiger Begleiter sein.
Wie koennen deutsche Anleger teilnehmen?
Fuer Anleger in Deutschland ergeben sich prinzipiell drei Wege. Erstens koennte eine direkte Zeichnung ueber US-Broker mit Zugang zur IPO-Allokation gelingen, wobei der Zugang fuer Privatanleger erfahrungsgemaess eingeschraenkt ist. Zweitens der Kauf der Aktie nach dem offiziellen Handelsbeginn am 12. Juni ueber Broker mit Nasdaq-Zugang. Deutsche Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital listen US-IPOs typischerweise mit einigen Tagen Verzoegerung. Drittens der indirekte Weg ueber thematische ETFs aus dem Bereich Raumfahrt oder New Space, die SpaceX voraussichtlich nach dem Boersengang in ihre Portfolios aufnehmen werden.
Fazit
Der SpaceX-Boersengang ist ein Ereignis ohne unmittelbaren historischen Vergleich. Die Kombination aus globalem Satellitennetzwerk, wiederverwendbarer Raumfahrttechnik, kuenstlicher Intelligenz und einer der bekanntesten Gruenderpersoenlichkeiten der Welt macht SPCX zu einer aussergewoehnlichen Investment-Story. Gleichzeitig ist die Bewertung ambitioniert, die Verluste real, und die Aktionaersrechte sind durch die Dual-Class-Struktur stark eingeschraenkt.
Wer investieren moechte, sollte den oeffentlichen S-1-Prospekt, insbesondere die Abschnitte zur Starlink-Oekonomie, zur Verwendung der Emissionserlöse und zu den Governance-Details, sorgfaeltig lesen. Denn hier investiert man nicht nur in ein Unternehmen, sondern auch in die These, dass Elon Musk faehig und willens ist, langfristig das Richtige zu tun, ohne dass Aktionaere ihn dazu zwingen koennen.
Quellen
- extraETF.com: SpaceX IPO 2026 – Alle Details zum historischen Boersengang
- XTB.com: SpaceX IPO – Analyse fuer Investoren
- Boersen-Parkett.de: SpaceX Aktie kaufen 2026 – Boersengang, IPO-Preis & Prognose
- Goldesel.de: SpaceX Boersengang 2026 – IPO-Fakten, Risiken und Chancen
- TeslaMag.ch: SpaceX IPO 2026 – Bewertung, Aktien, Chancen und Risiken
- Investing.com: SpaceX IPO – Termin, Bewertung und Chancen fuer Anleger
- Yahoo Finance: Elon Musk sichert sich die volle Kontrolle vor IPO
- IG.com: SpaceX IPO – vor dem Boersengang handeln